Geschichten

Eine gute Geschichte
Die Geschichte der Zora soll zeigen, was möglich sein kann ... wenn die Einstellung stimmt.

Zora (Name geändert) ist schon lange in der Alpenrose. Sie hat eine ungenügende Schulbildung und einen problematischen familiären Hintergrund. Und sie hat den «falschen» Nachnamen, denn sie kommt aus dem Balkan. Schlechte Voraussetzungen für den Berufseinstieg.
Schon nach wenigen Monaten in der Alpenrose wurde klar, dass Zora ihren Weg in den Gesundheitsberufen sieht. Wir konnten ihr in der Privatklinik Meiringen ein Praktikum vermitteln und Zoras Leben veränderte sich drastisch. Eine eigene Wohnung, ein volles Arbeitspensum, unregelmässige Arbeitszeiten, neue Anforderungen und ein forderndes Coaching für Alltags- und schulische Fragen.
Nach einem Jahr als Praktikantin und einem sehr guten Arbeitszeugnis stand die Frage nach einer Lehrstelle per August 2009 im Raum. Bald war klar, dass Zoras Arbeit und Leistungsfähigkeit top, die schulischen Voraussetzungen jedoch ungenügend sind. Der potenzielle Ausbildungsbetrieb in Meiringen empfahl, dass in diesem Bereich noch Nachholbildung nötig sei.
Zora und Mitarbeitende der Alpenrose fassten den ehrgeizigen Plan eines 10. Schuljahres «Berufsvorbereitung für Fachangestellte Gesundheit FaGe» an der Noss (Schulzentrum Spiez) ins Auge. Ein Plan, bei dem beide Parteien ihren vollen Einsatz leisten müssen: Zora, die «Antischülerin» musste über ihren Schatten springen und etwas leisten, das ihr gegen den Strich geht; und die Alpenrose musste ihren den Spielraum an Begleitung voll ausreizen (Finanzierung des Schulgelds, bis zu 10 Stunden persönliches Coaching etc.).
Der Plan scheint aufzugehen! Zora drückt seit August 2009 die Schulbank. Sie absolviert gute bis sehr gute Prüfungen, arbeitet sich durch Physik, Chemie, Anatomie, Franzwörter etc. und leistet einen grossartigen Einsatz. Sie hat gelernt, sich einzuteilen, Arbeit und Freizeit in dieser besonderen Situation in eine Balance zu bringen, Empfehlungen umzusetzen, Unterstützung anzunehmen.
Sie ist bereit, Opfer zu bringen.
Zora machte sich mit sehr schlechten Voraussetzungen auf ihren Weg. Heute ist sie so weit, dass wir sie mit bestem Gewissen für eine Ausbildung empfehlen können. Wie kommt das?
Wir beobachten immer wieder, dass junge Menschen beste Chancen vergeben und andere, wie Zora, kämpfen. Zora hat ein Ziel. Und sie hat das Glück, dass ein Sozialdienst, engagierte Mitarbeitende der Alpenrose und Betriebe wie die Privatklinik Meiringen sie unterstützen. Beides nützt wenig, wenn es nicht zu einer wirklichen Zusammenarbeit kommt. Beides nützt nichts, wenn der junge Mensch nicht bereit ist, Einsatz und Arbeit zu leisten.

Dafür braucht es eine ganz besondere innere Bereitschaft, den Willen, sein Leben zu gestalten. Zora hat beides. Unsere Aufgabe ist es, in den jungen Menschen, die zu uns kommen, diese Bereitschaft wachsen zu lassen.

Dann geht alles.

Nachtrag: Zora hat im Dezember 2009 ihren Lehrvertrag unterzeichnet. Herzliche Gratulation!



Zum Beispiel D.K.
D.K. lebte ein gutes Jahr in der Alpenrose. Der Start war schwer für ihn und schwierig für uns. D.K. ist ein wirbliger junger Mann mit vielen Ideen und einer grossen Vorstellungskraft. Manchmal strauchelte er über die Lücke zwischen seinen Vorstellungen und der Realität. Wir sind einige Male gemeinsam an und in diese Lücke geraten und hatten einige Konflikte dabei auszutragen. Die Kombination von klar gestellten Forderungen und unserer Überzeugung, dass D.K. Potenzial und Fähigkeiten hat, führte schliesslich zur Wende. D.K. entspannte sich zusehends, lenkte seine Kraft in realisierbare Bahnen und entwickelte sich zu einer wichtigen Persönlichkeit unserer kleinen Gemeinschaft.
D.K. eroberte sich schliesslich in der Region Bern eine Lehre als Küchenangestellter und absolviert diese seit dem August 2008 erfolgreich. Und immer wieder kommt der junge Mann nach Gadmen, besucht seine «alten Freunde» und geniesst mit uns zusammen seinen Erfolg.
Zum Beispiel C.L.
C.L. ist gerade 18jährig geworden. Sie wollte vor rund anderthalb Jahren alles, nur nicht nach Gadmen in die Alpenrose kommen. Doch genau dies musste sie damals als Auflage für den Eintritt in eine Institution in der Stadt Bern für einen Monat lang tun.
C.L. blieb. Mehr noch, sie ging schon bald in ein Pflegepraktikum, bewährte sich dort ausserordentlich gut, merkte, dass sie eine Rolle spielte, gebraucht und geschätzt wurde. Sie bekam ein sehr gutes Zwischenzeugnis, hatte plötzlich wertvolle Referenzen und das verhalf ihr schliesslich zu einer Vorlehrstelle in Bern, die sie seit August 2008 erfolgreich absolviert.
Zum Beispiel N.N.
N.N.’s Weg in unserer Institution war schon vorbesprochen und eingefädelt, bevor die junge Frau überhaupt eintrat. Zusammen mit dem Jugendamt der Stadt Bern und aufgrund verschiedener Referenzen sowie unserer Einschätzungen haben wir bereits vor ihrem Eintritt eine Praktikumsstelle mit der Option auf eine Lehrstelle arrangiert.
Doch es gibt immer wieder Überraschungen und was an einem Tisch gut, klar und relativ problemlos klingt, ist in der Realität manchmal schwieriger. Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass junge Menschen ein wunderbares Potenzial haben, gerne und gut arbeiten, freundlich, angenehm und gescheit sind … dann aber unpünktlich oder gar nicht zur Arbeit oder zu einer Verabredung erscheinen. Daran wäre das Projekt N.N. fast gescheitert.
Nun, schliesslich hat sich alles gut entwickelt. N.N. hat seit Sommer 2008 ihre Lehrstelle als Restaurationsfachfrau und macht selbständig ihren Weg.

Zum Beispiel M.S.
Eine abgebrochene Kochlehre, kaum mehr eine Tagesstruktur und eine im Ausland erworbene Schulbildung mit einigen Lücken waren die Ausgangslage, als M.S. vor gut anderthalb Jahren bei uns eingestiegen ist. Glücklicherweise gehörten zu den Startbedingungen aber auch eine ungebrochene Leidenschaft für den gewählten Beruf, ein heller Kopf und ein einnehmendes Wesen. Auch M.S. ging einen speziellen Weg bei uns. Für seine Kochlehrstelle etablierte die Alpenrose eine Ausbildungspartnerschaft mit den Grimselhotels und dem Hotel Victoria Meiringen. D.h. die fachliche Ausbildung in der Küche wurde von den Profis in diesen Betrieben gewährleistet und die schulischen Bereiche von der Alpenrose begleitet. M.S. hatte so ein «Zuhause» in Gadmen und ging von dort aus zu den verschiedenen Ausbildungsstätten.
M.S. hat im Sommer 2008 seine Lehre erfolgreich abgeschlossen und hatte bereits vor seiner letzten Prüfung einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Wir gratulieren!
Geschichten
Es könnte noch manche weitere Geschichte erzählt werden. Diejenige von V.L., der heute im Gastgewerbe im Oberhasli eine Arbeit gefunden hat, oder die der beiden M.H.’s – der eine arbeitet im Sportgeschäft und bereitet sich ab Februar 2009 mit einem Langzeitpraktikum auf eine Lehre als Fachmann Betreuung (FABE) vor, der andere M.H. hat seine Ausbildung zum Küchenangestellten EBA begonnen. I.D. verlässt im Januar die Alpenrose mit einem Arbeitsvertrag in der Baubranche. Auch A.M. hat im Berichtsjahr eine Ausbildung in der Hauswirtschaft begonnen und X.S. arbeitet sein mehreren Monaten erfolgreich als Praktikantin in der Klinik Meiringen; sie kann mit grosser Wahrscheinlichkeit im Sommer 2009 eine Vorlehre beginnen, aus der bei gutem Resultat eine Lehrstelle hervorgeht.
Allen ihnen und den heutigen und künftigen jungen Menschen in der Alpenrose wünschen wir viel Kraft und Erfolg.